Berliner Bilder der Aufklärung
Gemäldegalerie & Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin
Daniel Chodowiecki 1726–1801
Daniel Chodowiecki hatte Einfühlungsvermögen, Witz und erzählerische Kraft und verlebendigte in seinen Werken Themen der Aufklärung wie Toleranz, Religionsfreiheit und Bildung. Im Zentrum der Ausstellung stehen das Gemälde, Zeichnungen und druckgraphische Blätter aus allen drei Sammlungen zum Justizskandal um Jean Calas. Ausstellung in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Daniel Nikolaus Chodowiecki der Superstar unter den Berliner Künstlern. Am 16. Oktober 2026 wäre er 300 Jahre alt geworden. Zum Geburtstag widmen ihm das Kupferstichkabinett, die Gemäldegalerie, beide Staatliche Museen zu Berlin, und die Akademie der Künste, Berlin eine gemeinsame Ausstellung.
Im Zentrum steht Chodowieckis Hauptwerk Der Abschied des Jean Calas von seiner Familie (1765/66). Es stellt den Toulouser Kaufmann Jean Calas im Kerker dar und zeugt damit von einem der bekanntesten Justizskandale der Aufklärung. Nachdem sich der Sohn des lutherisch-reformierten Franzosen 1761 das Leben nahm, hatte der Vater zunächst versucht, den Selbstmord zu vertuschen. Dabei wurde er schließlich selbst des Mordes bezichtigt. Angeblich habe der Sohn zum Katholizismus übertreten wollen und damit dem Vater ein Motiv gegeben. Obwohl es keine Beweise für die Anklage gab, führte der religiöse Fanatismus gegen Protestanten in Frankreich dazu, dass Jean Calas 1762 zum Tode verurteilt wurde. Entsetzt über den Prozess verfasste der Philosoph Voltaire (1694–1778) die Schrift Über die Toleranz (1763) und setzte sich für die Rehabilitierung der Familie ein. Doch erst 1765 wurde das Urteil gegen Calas 1765 posthum aufgehoben.
Der französische Kupferstecher Jean-Baptiste Delafosse (1721–1775) schuf eine Radierung, die das Thema visuell publik machte. Chodowiecki aber, der familiär mit der reformierten französischen Gemeinde (Hugenotten) Berlins eng verbunden war, suchte das Thema nach seinen Vorstellungen neu zu gestalten. Seine dramatische und emotionalisierte Darstellung des Moments, in dem der zum Tode verurteilte Calas von seiner Familie Abschied nimmt, wurde sein berühmtestes Werk und zugleich ein zentrales Bild der Aufklärung. Es sollte Mitgefühl im Betrachter auslösen und somit zu seiner moralischen Entwicklung im Sinne der Toleranz beitragen. Vielseitig sind die Vor- und Varianten des Künstlers in verschiedenen Medien. Das zeigen die im Kupferstichkabinett aufbewahrte großformatige Kupferplatte (1767/68), mehrere Abzüge der Radierung, sowie eine Vorzeichnung zum selben Thema aus der Kunstsammlung der Akademie der Künste – Arbeiten, die Chodowieckis sorgfältige Studien nach Quellen und Berichten belegen.
Auch sonst stand Chodowieckis künstlerisches Werk unter dem Eindruck der Aufklärung und der durch diese Denkbewegung eingeführten Themen wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Bildung, Familie und Bürgertum. Chodowiecki illustrierte zahlreiche Neuerscheinungen, kommentierte in Bildern Debatten seiner Zeit und porträtierte die Schlüsselfiguren der Berliner Gesellschaft. Selbst die privat anmutenden Kompositionen mit seiner eigenen Familie stehen noch für den Wandel der aufgeklärten Gesellschaft im Sinne der bürgerlichen Emanzipation innerhalb der neuen Gemeinschaftsordnung.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Mailena Mallach (Kupferstichkabinett), Anna Schultz (Akademie der Künste) und Sarah Salomon (Gemäldegalerie).
Ort
Kulturforum
Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz / Matthäikirchplatz
10785 Berlin
Öffnungszeiten
Di–So, 10–18 Uhr
Eintrittspreise
14 Euro: Gemäldegalerie / 7 Euro: ermäßigt
22 Euro: Kulturforum / 11 Euro: ermäßigt
ab 25 Euro: Jahreskarte (Mehr erfahren)
Für den Besuch dieses Museums werden Tageskarten angeboten. Mit einer Tageskarte ist der Zutritt zum Museum am gebuchten Tag zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der Öffnungszeiten möglich. Tageskarten können vor Ort an den Kassen oder online gekauft werden. Für eine verlässliche Planung Ihres Besuchs ohne Wartezeit an der Kasse empfehlen wir, Eintrittskarten im Vorfeld online zu buchen:
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