Die »Stille Größe« und der Künstler
Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e. V.
Was verbindet ein kleines Dorf in Pommerellen mit dem großen Künstler Daniel Chodowiecki?
Die Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e.V. führt am 13. September 2026 im Schloss Krockow in Polen – poln. Krokowa – im Norden der ehemaligen Provinz Westpreußen eine Tagung mit Vorträgen und Podiumsdiskussion mit deutschen und polnischen Referenten durch.
Louise Gräfin v. Krockow (1749–1803) pflegte Kontakte zu Künstlern und Philosophen, sie setzte sich für Mädchenbildung ein und veröffentlichte dazu eine mehrfach aufgelegte Schrift. Die meisten der Ausgaben waren mit zwei Kupferstichen von Daniel Chodowiecki illustriert, der im Mittelpunkt der Tagung steht. Louises Verleger übrigens, Johann Christian Haken, bezeichnete sie – eine für ihre Epoche ungewöhnliche Frau – als »stille Größe«.
Das Programm:
Begrüßung
Dr. phil. habil. Sven Tode – Historiker, Professor an der Europa-Universität Flensburg, habilitiert mit einer Arbeit zur evangelischen und katholischen Pfarrgeistlichkeit in Preußen 1518-1772. Seit 2012 Vorsitzender der Copernicus Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e. V.. Mitherausgeber von Preußenland, Vestigia Prussica und der Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens.
Daniel Chodowieckis Leben und Werk als erster Mode-Illustrator
Forscher weisen selten darauf hin, dass Daniel Chodowiecki einer der ersten Mode-Illustratoren war. Diese kühne Aussage lässt sich beispielsweise anhand seines Reisetagebuchs über die Reise nach Danzig und seiner späteren Kalenderillustrationen ableiten, in denen er detailliert darstellte, wie sich die Mode zu seiner Zeit entwickelte. Er hatte ein besonderes „Auge“ dafür, in seinen Modellen die Kunst der Kleidung darzustellen – ein unverwechselbares Merkmal der von ihm gezeichneten Modelle.
Die Autorin, Aleksandra Kajdańska, wird daher sein Leben und einige ausgewählte Illustrationen analysieren und erläutern, um welche Kleidungsstücke es sich beispielsweise bei „Calash“, „Chapeau à la Philadelphia“ oder „Retrouse“ handelte, die heute in Vergessenheit geraten sind.
Dr. Aleksandra Kajdańska – Kunsthistorikerin, Theaterwissenschaftlerin, Tänzerin. Sie beschäftigt sich mit historischem Tanz, insbesondere mit der Tanzgeschichte in Danzig, und rekonstruiert Tänze anhand erhaltener Quellen. Sie leitet eigene Kurse zur Kleidergeschichte mit besonderem Schwerpunkt auf der Kulturgeschichte Danzigs.
Die „Stille Größe“ – Sprechen wir über Louise von Krockow
Was verbindet ein kleines Dorf in Pommerellen mit dem großen Künstler Daniel Chodowiecki? Woher kommt der Ausdruck „Stille Größe“?
In unserer Einführung stellen wir Ihnen ein Bild einer außergewöhnlichen Frau vor, die Kontakte zu Künstlern und Philosophen pflegte, sich für Mädchenbildung einsetzte und dazu eine mehrfach aufgelegte Schrift verfasste. Margarethe Regina Louise Gräfin von Krockow, geborene von Göppel (17.02.1749 – 08.02.1803) verkörperte die Ideale der Aufklärung und verstand es, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich und ihre Aktivitäten zu lenken, die bekannte Persönlichkeiten in diesen abgelegenen Winkel des damaligen Westpreußens lockten.
Grażyna Patryn – ehemalige Leiterin des Regionalmuseums in Krockow, einer Außenstelle des Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf, studierte Musikwissenschaft und Musikethnologie an der Jagelloner Universität.
Mit Feder und Stichel: Erziehungsideale der Aufklärung bei Louise von Krockow und Daniel Chodowiecki
Louise von Krockows stolzer Hinweis, dass kein geringerer als Daniel Chodowiecki zwei Kupfer zu ihrem pädagogischen Werk „Wohlthätige Vorschläge zur Erziehung hülfloser Mädchen aller Stände“ beisteuerte, beruht auf keinem Zufall. So verbinden den berühmten Kupferstecher und die adlige Schriftstellerin neben ihrem philanthropischen Engagement für die Schulbildung von Mädchen auch biographische Aspekte wie zum Beispiel der kalvinistische Glaube und die Verbundenheit mit Westpreußen.
Der Vortrag stellt ausgewählte Kupferstiche und Zeichnungen Chodowieckis vor dem Hintergrund seiner ungewöhnlichen Biographie vor und beleuchtet die darin kommunizierten Bildungsideale und -konzepte. Sie komplementieren das schriftstellerische Werk von Louise von Krockow in vielfältiger Weise und zeigen zugleich die Grenzen und Möglichkeiten zeitgenössischer Erziehungskonzepte auf.
Dr. Jennifer Wilde, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Klassische Archäologie und Museologie in Göttingen, Köln, Thessaloniki und London. Nach beruflichen Stationen am Deutschen Archäologischen Institut, dem Vorderasiatischen Museum Berlin, dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz und dem Winckelmann-Museum Stendal hat sie 2025 die Leitung des Hugenottenmuseums Berlin übernommen. Als Museumsmacherin liegt ihr die Auseinandersetzung mit Migration und Stadtgesellschaft besonders am Herzen.
Über die Sammlung von Chodowieckis Illustrationen und mit ihm in Verbindung stehenden Illustrationen in der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Danzig
Krystyna Sarnowska-Jackowska – Kunsthistorikerin. Sie ist seit vielen Jahren in der Grafiksammlung der Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Druckgrafik und Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts; sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Artikel.
Sitten in Serie. Chodowieckis Kalenderkupfer
Illustrationen für kleine Taschenkalender, zumeist in Serien von zwölf Bildern, bilden den größten Werkkomplex innerhalb von Chodowieckis Schaffen. Durch die Kleinheit des Formats gezwungen, fand der Künstler zu einer besonderen Prägnanz in seinen Formulierungen. Alles, was die Öffentlichkeit bewegte, breitete er in seinen Kalenderkupfern aus, vor allem aber die Sitten der eigenen Gegenwart. Mit seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe gelangen ihm Bilder, in denen sich das Publikum selbst erkennen und betrachten konnte. Mit seinen Bildserien im Massenmedium Kalender war Chodowiecki der reichweitenstärkste Künstler seiner Zeit in den deutschen Ländern. Einige seiner Bildfindungen wurden zu Ikonen der Aufklärung.
Dr. Reimar Lacher erarbeitet eine Ausstellung über Chodowieckis Kalenderkupfer im Gleimhaus Halberstadt und stellt in dem Vortrag die Sujets, Bildsprache und mediale Besonderheiten der Serien vor.
Dr. Reimar F. Lacher
Kunsthistoriker, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Gleimhauses in Halberstadt. Hat zahlreiche Künstlermonografien und Ausstellungskataloge herausgegeben, darunter „Scherz – die heitere Seite der Aufklärung“ über den scherzhaften Stil des Rokoko zum 300. Geburtstag Johann Wilhelm Ludwig Gleims.
Podiumsdiskussion mit den Referent:innen
Änderungen vorbehalten!
Ort
Zamek Krokowa
ul. Zamkowa 1
84-110 Krokowa
Die Copernicus-Vereinigung ist als Nachfolgerin des Westpreußischen Geschichtsvereins in Danzig bis 1945 und der anderen Vereine mit ähnlicher Aufgabenstellung der Geschichts-Verein für das Gebiet an der unteren Weichsel in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, die Geschichte Westpreußens und die Kulturleistungen seiner Menschen zu erforschen, entsprechende Forschungsergebnisse zu veröffentlichen und zu verbreiten. Ihre Mitglieder sind Personen aus Wissenschaft und Heimatforschung sowie Menschen, die an der Landeskunde Westpreußens interessiert sind oder sie fördern möchten.
Die Copernicus-Vereinigung ist um einen intensiven Austausch mit ausländischen, besonders mit polnischen, Wissenschaftler/innen und Institutionen bemüht.
Sie gibt gemeinsam mit der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz das Jahrbuch »Preußenland« heraus. Außerdem gibt sie die »Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens« heraus. Sie führt Tagungen durch, vergibt Stipendien, fördert Veranstaltungen und Veröffentlichungen Dritter und führt ihre Studienreise 2026 nach Danzig und in den Westen der ehemaligen Provinz Westpreußen durch.
Kontakt: patryn@copernicus-online.eu
