Ausstellung
08.10.2026–10.01.2027

Erziehen, aber wie?

Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Kupferstichkabinett – Staatliches Museum Schwerin

Pädagogik und Moral in den Kupferstichen Daniel Chodowieckis.

Einheitliche Lehrpläne, professionell ausgebildete Lehrkräfte und gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen: Der Reformpädagoge Johann Bernhard Basedow veröffentlichte 1774 das von Chodowiecki illustrierte Elementarwerk und legte damit den Grundstein für den modernen Anschauungsunterricht, der Faktenwissen mit moralisch gutem Verhalten verbinden sollte.

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Eine solide schulische Ausbildung, die auf einheitlichen Lehrplänen beruht und von professionell ausgebildetem Lehrpersonal durchgeführt w­­ird, ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit. Ebenso ein festgelegter Lehrplan und der gemeinsame Unterricht für Jungen und Mädchen. Im 18. Jahrhundert lag der Schulunterricht überwiegend in kirchlicher Hand, unterrichtet wurde mit und nach dem Katechismus. Reformpädagogen wie dem Hamburger Johann Bernhard Basedow haben wir es zu verdanken, dass der Schulunterricht heute strukturiert und anschaulich gestaltet ist. 1769 begann er, seine didaktischen und religionspädagogischen Konzepte in ein großes Lehrbuch einfließen zu lassen, dass gleichzeitig die Frucht seiner langjährigen Erfahrung als Privatlehrer und Schulleiter war, das so genannte Elementarwerk. Basedow war der Überzeugung, dass Kinder vor allem anhand von Bildern lernen (Anschauungsunterricht) und beschloss deshalb, sein „Elementarwerk“, das eine Art umfassende Anleitung für Eltern und Lehrer werden sollte, von einem Künstler illustrieren zu lassen. Er wählte dafür keinen geringeren als den damals bereits berühmten Berliner Kupferstecher Daniel Chodowiecki, der als Buchillustrator großes Ansehen genoss. Für das vierbändige Werk Schuf Chodowiecki 100 Kupferstiche, die dem Buch als separate Tafeln beigelegt waren. Diese Tafeln sollten für Lehrer und Schüler ein Gesprächsanlass sein, um die Inhalte der Texte zu wiederholen und zu festigen.

Basedows Elementarwerk ist ein durch und durch bürgerliches Buch, mit Themen und Szenen aus dem bürgerlichen Alltag, die zur Lebenswirklichkeit der Kinder gehörten, wie beispielsweise Essen oder Kleidung. Ganz im Sinne der Aufklärung stellte Basedow nicht Gott, sondern den Menschen in den Mittelpunkt seiner Darstellung. Sein Fokus lag auf der Vermittlung von Sachkenntnis, denn nur wer allumfassend gebildet sei, könne ein selbstbestimmtes Leben führen. Neben aller Sachkenntnis hatte die Erziehung zu einem moralisch guten Menschen, zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft für Basedow  einen hohen Stellenwert. Für ihn war gute Erziehung ein Mittel zur Verbesserung der zukünftigen Gesellschaft. Toleranz gegenüber fremden Kulturen und die Gleichberechtigung der Religionen waren ihm ein großes Anliegen, für das er Zeit seines Lebens kämpfte.

Anlässlich des 300. Geburtstages Daniel Chodowieckis zeigt das Schweriner Kupferstichkabinett 50 Werke aus seinem Bestand von 866 Kupferstichen des berühmten Künstlers. Chodowieckis Illustrationen zu Basedows Elementarwerk werden im Zentrum der Ausstellung stehen, flankiert von weiteren Blättern, die sich vor allem mit moralischen Grundfragen beschäftigen. Hier spielen natürlich auch die unterschiedlichen Erwartungen an Männer und Frauen eine große Rolle. Um bürgerliche Tugenden visuell zu vermitteln, nutzte Chodowiecki starke darstellerische Kontraste. Sein großes Vorbild hierfür war der Brite William Hogarth, dessen Folge Fleiß und Faulheit ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein wird.

www.museum-schwerin.de

www.ssgk-mv.de

Ort

Staatliches Museum Schwerin
Alter Garten 3
19055 Schwerin


Öffnungszeiten

Di–So, 10–18 Uhr (Juni–August)
Di–So & Feiertage, 11–18 Uhr (September–Oktober)


Eintrittspreise

Der Eintritt in das Museum ist kostenfrei.


Führungen

Öffentliche Führungen: 5 Euro pro Person / ermäßigt 4 Euro pro Person
Individuelle Führungen (Bis zu 25 Personen. Dauer ca. 1 Stunde): 75 Euro pro Gruppe


Barrierefreiheit

Elektrische Hebeplattformen & automatisierte Türen in allen Räumen.

Staatliches Museum Schwerin, SSGK M-V